Pädagogik

 

“Erziehung geht alle an!” – Das Fach Pädagogik seit 1973

Die Geschichte des Faches Pädagogik am MCG beginnt im Jahre 1973, als Frau Grabherr gegen ihren Willen eine Stelle an dieser Schule bekam. Wohnhaft in Hilden, wollte sie viel lieber an einem dortigen Gymnasium unterrichten, und auch die damalige Schulleiterin, Frau Hempelmann, war nur mäßig begeistert, hatte sie doch, vom Namen ausgehend, endlich eine männliche Lehrkraft für die noch fast ausschließlich weibliche Schülerschaft erwartet. Aber evangelische Religion und Deutsch wurden dringend gebraucht. Das Fach Pädagogik, das Frau Grabherr bereits ,,ordentlich” studiert hatte, sagte Frau Hempelmann zunächst gar nichts. Dann wurde die Oberstufenreform verkündet und mit ihr die ,,Differenzierung”, und Frau Grabherr klemmte sich hinter die Schulaufsicht, mit ihrem Anliegen, Pädagogik unterrichten zu dürfen. Frau Hempelmann gab nach und bot das Fach an, das bei den Schülerinnen sofort auf Interesse stieß.

Und dann ging‘s los: zunächst im Alleingang, dann kam Frau Beucker (Zweitfach Spanisch) dazu, verließ die Schule aber später wieder. Im Abitur wurde Frau Bunte als fachfremde, aber fachlich ,,affine” Beisitzerin gebraucht; eine Zeitlang existierten sogar Leistungskurse, doch als ich dann 1995 ans MCG versetzt wurde, erlebte ich nur noch Grundkurse; jeder Antrag hochmotivierter Schüler (weibliche Form auch im Folgenden mitgemeint) auf Einrichtung eines LK wurde sowohl von Herrn Dr. Rischer als auch später von Herrn Dr. Münnix unter Hinweis auf die Gefährdung anderer Fächer, die man für bildungsrelevanter hielt, abschlägig beschieden.

Immerhin wurde nach und nach – und das gilt noch immer – anerkannt, dass Pädagogik zum sozialen Schulprofil des MCG gut passt; Pädagogikschüler beteiligen sich mit deutlichem Engagement und ihrer Fachkompetenz an Akzenten des sozialen Zusammenlebens am MCG: als Streitschlichter, als Paten für die Fünftklässler, als Mentoren beim Sozialpraktikum, als Betreuer beim Kennenlernnachmittag und beim Tag der offenen Tür. Zusätzlich sind sie fester Bestandteil der Projekttage ,,Lernen lernen” in der  fünften Klasse. Und kein Fach wird lieber als viertes Fach im Abitur gewählt als Pädagogik.

Wie hat sich unser Fach inhaltlich und methodisch verändert?

 Von 1981 bis 1999 unterrichteten wir ohne feste ,,Lehrpläne”; es gab nur sog. „Empfehlungen”. Wir waren recht frei in der Zuordnung konkreter Unterrichtsthemen zu den Rahmenvorgaben und konnten auf die Wünsche der Schüler reagieren, sodass sich dann allerdings am Ende der 13 nicht jeder Schüler mit vergleichbaren lnhalten befasst hatte. Das war vordergründig kein Problem, weil nur wir Fachlehrer die Abiturklausuraufgaben stellten und beurteilten. Schwieriger wurde es nur bei Wiederholung einer Jahrgangsstufe oder bei Schulwechsel. Wir Lehrer waren aber auch ein bisschen in Versuchung, unsere „Steckenpferde” zu reiten. Frau Grabherr hatte im Studium eher Vertreter der „geistesgeschichtlichen Pädagogik” kennengelernt, ich selbst, Abi-Jahrgang 1973, hatte meine Staatsexamensarbeit über antiautoritäre Kinderläden geschrieben, und so kam bei mir keiner im Unterricht an diesem Akzent in der Erziehungsstil-Diskussion vorbei. Ansonsten gab es von Anfang an lerntheoretische, psychoanalytische und sozialpädagogische Akzente; und auch die Geschichte der Erziehung wurde ausführlich behandelt. Wir hatten noch Zeit genug, Exkursionen zu machen und Experten in den Unterricht einzuladen, die aus der Praxis berichteten. Seit das Zentralabitur in unser Leben getreten ist, stehen wir permanent unter Zeitdruck und beneiden nunmehr von Herzen die Kollegen mit LK-Fächern. Das ist ein bisschen schade, weil zeitgleich immer mehr Ideen für projektorientiertes Arbeiten im Raum stehen und der kreative Akzent im Methodischen mit Rollenspielen, Planspielen, ,,Museumsgang”-Plakaten und ähnlichem eigentlich viel mehr Zeit erfordern würden. Wir können uns kaum noch leisten, die Schüler Themenakzente frei wählen zu lassen, höchstens noch in Form von Referaten, Randexkursen oder Facharbeiten. Genug geweint, das Zentralabitur hat ja auch sein Gutes …

Wie ging es personell weiter? Frau Schmitz wechselte 2000 vom ,,Poth” zum MCG und verstärkte unser Team bis 2009; Frau Grabherr wurde pensioniert und junge Kräfte rückten nach, seit 2010 Frau Rieger und Frau Lüer, und auch Frau Gillissen besitzt die Lehrerlaubnis und hilft gelegentlich aus, besonders im Abitur als höchst fachkompetente Protokollantin und Fachbeisitzerin.

So oder so, unser Fach ist bei den Schülern beliebt und wir freuen uns auch über jeden Jungen, wenn auch die überwiegende Mehrheit weiblich ist. Jedenfalls glaubt nach drei Jahren Pädagogikunterricht kein Schüler mehr, dass Pädagogik mal ein Fach der „Frauenbildung” war. Das alte Vorurteil vom ,,Laberfach” tradieren auch nur noch Leute ohne jede Ahnung vom Anspruchsniveau, das hier verfolgt und erreicht wird. Und wie immer freuen wir uns darauf, bei Ehemaligentreffen zu hören, wie oft unsere Schüler im „späteren richtigen Leben” an uns denken mussten. Bei uns fragt sich keiner: Wozu soll ich das später mal brauchen? Denn: ,,Erziehung geht alle an!”

DV