Physik

 

Für Wissenschaft und Technik – 50 Jahre Physik am MCG

Von dieser Zeit konnte der Verfasser dieses Artikels die Entwicklung in den letzten 34 Jahren verfolgen. 1978 war bereits aus der Frauenoberschule das Marie-Curie-Gymnasium geworden, und nach der Einführung der sogenannten „Koedukation” saßen zu Beginn des Schuljahres 78/79 Jungen und Mädchen bis zur Klasse 10 gemeinsam im Unterricht.  Für das Fach Physik war diese Entwicklung sowohl für die Kurse in der Oberstufe als auch räumlich von Vorteil. 

Nach der Oberstufenreform gab es keine naturwissenschaftlichen und sprachlichen Gymnasien mehr, sondern nur noch das Gymnasium mit Grund- und Leistungskursen in der SII. Das Fach Physik hatte seinen festen Platz, den es an den naturwissenschaftlichen Gymnasien hatte, verloren und war in der SII nur noch optional. Da man damals wie heute in den Physik-Leistungskursen mehr Jungen als Mädchen findet, war die „Koedukation” für die Entwicklung der Oberstufenphysik an unserer Schule von großer Bedeutung.

Im Abiturjahr 1982 gab es den ersten Physik-LK mit vierzehn Jungen (auf dem Foto fehlen drei) und drei Mädchen und bis heute folgten noch viele weitere. In den Anfangsjahren liefen LK am Gymnasium Gerresheim und bei uns parallel, später wurde in Kooperation mit dem Nachbargymnasium nur noch ein LK angeboten. Bis auf wenige Ausnahmen in der Übergangszeit fand dieser Leistungskurs an unserer Schule statt.

Räumlich haben die Naturwissenschaften davon profitiert, dass die Schule keine große Küche mit Nebenräumen aus der Zeit der Frauenoberschule mehr benötigte. Für den großen Umbau musste die Physik mit den beiden andern Naturwissenschaften weichen und ins ehemalige Gesundheitsamt umziehen. So wurde eine Zeitlang in dem Raum unterrichtet, in dem früher Röntgenaufnahmen gemacht und auch die Lungen der Lehrer und Lehrerinnen einmal im Jahr auf TB überprüft wurden.

Nach dem Umbau 1988 gab es für jede Naturwissenschaft zwei Lehrräume und einen Sammlungsraum dazwischen. Damit war es i. d. R. nicht mehr nötig, Experimentiergerät auf Rolltischen durch das PZ in einen Lehrraum zu schieben und auch für die Sammlung gab es in diesem Jahr einen größeren Erneuerungsschub. So konnten z. B. das Oszilloskop und Röhrenschaltungen aus den sechziger Jahren durch zeitgemäße Geräte  ersetzt werden und für Schülerversuche aus der Elektrik,  Elektronik, Mechanik und Optik standen jeweils bis zu zehn Experimentiersätze zur Verfügung.  Die passenden Arbeitsblätter brauchten zur dieser Zeit nicht mehr mit dem Matrizendrucker (Umdrucker) vervielfältigt zu werden, sondern durften neben den Klassenarbeiten und Klausuren in Maßen kopiert werden, da neben unser erstes Kopiergerät mit dem Nassabzugsverfahren ein moderneres mit  Xerographie und kostengünstigeren Kopien gestellt wurde. 

In den Jahren, in denen nicht nur in Düsseldorf Gymnasien zusammengelegt wurden, war es sehr schwierig, genügend Interessenten für einen Physik-LK zu finden. Die Lehrbuchautoren und Verlage reagierten, indem sie die Werke für die SI und die SII immer bunter auf Kosten der mathematischen Grundlagen und damit der Exaktheit der Wissenschaft gestalteten, und die Verantwortlichen im Kultusministerium ersetzten die „Unterrichtsempfehlungen für die Klassen 5-10″ und das „Heft 13 II, Curriculum, Gymnasiale Oberstufe, Physik” von 1973 mit der „Lernzielbeschreibung nach der Taxonomie von Bloom” durch „Richtlinien und Lehrpläne”, für die seit 1999 das „Lernen im Kontext” wegweisend ist.  Seit 2008 gibt es für die SI einen „Kernlehrplan”  mit „Kompetenzen” statt „Lernzielen” und durch die Umstellung auf das G8 nicht nur an unserer Schule ein Jahr weniger Physikunterricht.

Aus Sorge, dass nicht genügend Ingenieure für die Hüttentechnik, den Maschinenbau und viele andere Bereiche zur Verfügung stehen, schrieb der Verein Deutscher Eisenhüttenleute in der zweiten Hälfte der 80er Jahre Schülerwettbewerbe aus, bei denen  mehrmals Physik-LK unserer Schule den ersten Preis gewannen und damit jeweils eine Fahrt zur Hannover-Messe, der CeBIT.  

Vor der Landtagswahl  2005 sollten die Biologie, Chemie und Physik für die Klassen 5 und 6 zum Fach Naturwissenschaften zusammengefasst werden. In  Fortbildungen und Konferenzen konnten sich die Lehrer darauf vorbereiten und die Verlage entwickelten passende Lehrbücher, die nach der Landtagswahl keine Abnehmer fanden, da dieser Beschluss wieder rückgängig gemacht wurde.

Mit dem Zentralabitur ab 2007 erreichte man eine bessere Vergleichbarkeit der Anforderungen in verschiedenen Bundesländern und die Mathematisierung bekam wieder neben dem Experiment den gebührenden Stellenwert. Beispielaufgaben und Vorgaben zu den Abiturjahren konnten aus dem Internet heruntergeladen werden.

Bei allen Änderungen, die es an unserer Schule im Laufe der Jahre gab, blieben die Gesetze der Physik natürlich immer gleich. Dasselbe gilt für das, was unsere Schülerinnen und Schüler von der Physikerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie lernen können.  Ihre wissenschaftliche Herangehensweise bei der Lösung von Problemen und ihre Fähigkeit, sich trotz vieler Hindernisse auf ihre Arbeit und ihre Ziele zu konzentrieren, kann als Vorbild für die wissenschaftspropädeutische Ausbildung  junger Menschen dienen. Ferner war sie auch Vorreiterin für das Studium von Frauen insbesondere der Physik und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Wie in der Gesellschaft ist  auch an unserer Schule die Bedeutung von Wissenschaft und Technik Änderungen unterworfen und daher ist dieser Aspekt zur Zeit etwas in den Hintergrund getreten. Im Vordergrund stehen das musisch-sprachliche Profil unserer Schule und das pädagogische und soziale Engagement. Ich wünsche daher dem MCG für die nächsten fünfzig Jahre, dass es viele Schüler und Schülerinnen optimal auf ein naturwissenschaftliches und technisches Studium vorbereitet, damit es in unserer Gesellschaft immer genügend Frauen und Männer für die Forschung, Entwicklung, den Ingenieurbereich und die entsprechende Lehre gibt.

WK

 PS: Die Ausführungen des Kollegen seien um eine Bemerkung zum heutigen Stand des Faches Physik ergänzt: Um die Attraktivität des Faches weiter zu steigern, wurden Experimentalpraktika an der Heinrich-Heine-Universität besucht, Studienfahrten zum CERN und DESY durchgeführt, eine Mobilfunkantenne in Zusammenarbeit mit Vodafone und der Feuerwehr ausgemessen und durch die Zusammenarbeit mit einigen Firmen (z.B. Nokia in Ratingen) und Universitäten der berufliche Bezug des Faches deutlich gemacht.

CH