Politik / Sozialwissenschaften

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    (stellv. Fachvorsitz)
  • K.Gillißen
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  • 2015_09_Hein C. Hein
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  • Valente_2013 D. Valente | Vorsitz Fachkonferenz
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Stand: August 2016

 

 

 

Sozialwissenschaften am MCG

Wohl kaum ein anderes Fach bietet ein derartiges Maß an Aktualität wie das Fach Sozialwissenschaften, das sich aus den Teildisziplinen Politikwissenschaft, Soziologie und Ökonomie zusammensetzt. Nicht zuletzt aus diesem Grund erfreut sich das Fach heute einer immer größer werdenden Beliebtheit bei den Schülerinnen und Schülern am MCG, sodass neben mehreren Grund- neuerdings auch Leistungskurse angeboten werden können.

Die Ausrichtung des Unterrichts an aktuellen Ereignissen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft bildet dabei die Ausgangslage für einen kompetenzorientierten und im Hinblick auf das Zentralabitur zielorientierten Unterricht. Aber beginnen wir doch ganz am Anfang:

Im Herbst des Jahres 1976 trafen sich während einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung führende Fachdidaktiker in Beutelsbach und legten gemeinsam die Grundsätze für politische Bildung fest, an denen sich der Politikunterricht bzw. der sozialwissenschaftliche Unterricht noch heute ausrichtet. Nach dem sogenannten „Überwältigungsverbot“ darf der Lehrende die Schülerinnen und Schüler nicht durch seine persönliche Meinung beeinflussen, sondern soll sie in die Lage versetzen, sich mithilfe des Unterrichts eine eigene und begründete Meinung zu bilden. Die Kinder und Jugendlichen sollen langfristig zu politisch mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden. Das Prinzip der „Kontroversität“ besagt, dass ein Thema kontrovers dargestellt und diskutiert werden muss, wenn es in der Öffentlichkeit auch kontrovers erscheint. Der dritte Grundsatz zielt auf die „Schülerorientierung“ ab und stellt sicher, dass Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens stehen, politische Situationen analysieren und sich prinzipiell aktiv am politischen Prozess beteiligen können, indem sie nach Mitteln und Wegen suchen, die vorgefundene politische Lage zu beeinflussen.

Auf diesen Grundsätzen politischer Bildung fußt der sozialwissenschaftliche Unterricht am Marie-Curie-Gymnasium. Ausgehend von den drei Teildisziplinen werden bereits die Fünftklässler behutsam an das neue Fach Politik/Wirtschaft herangeführt. Die erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen werden im Sinne eines Spiralcurriculums in der siebten Klasse wiederholt und vertieft, damit die Lernenden in der neunten Klasse weitere Aspekte und Inhalte des Politischen kennen und erfahren lernen können (vgl. Curriculum). Auf dieser Basis können die Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe das Fach Sozialwissenschaften wählen, das den Fokus von der politikorientierten Perspektive erweitert und die Teildisziplinen Soziologie und Ökonomie als eigene Bestandteile des Faches einführt. Auf Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen werden die Lernenden gezielt auf das Zentralabitur vorbereitet. Der Unterricht setzt an den Inhalten der Sekundarstufe I an und erweitert das Wissen und die Kompetenzen systematisch. Wissenschaftspropädeutisches Lernen bildet dabei den Rahmen, in dem durch systematisches und methodisches Arbeiten das Grundlagenwissen vernetzt und erweitert wird und die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Lernen und Arbeiten befähigt werden.

Der geforderten Kompetenzorientierung wird der sozialwissenschaftliche Unterricht am MCG dabei im Besonderen gerecht. Nicht nur der Einsatz verschiedenster Methoden (systematischer Lehrgang, Fall- und Konfliktanalyse, Problemstudie, Planspiel, Erkundung, Projekt, Zukunftswerkstatt, Szenario-Methode etc.), sondern auch ein zielführender Wechsel der Unterrichtsarrangements und Interaktionsgelegenheiten (Unterrichtsgespräch, Rollenspiel, Pro-Contra-Debatte, Talkshow, Podiumsdiskussion etc.) stellen Theorie und Praxis in einen interdependenten Zusammenhang, der über eine reine Wissensvermittlung hinausgeht.

 Kompetenzorientierung:

Die fachspezifischen Kompetenzen, die die Lernenden für die Entwicklung und Wahrnehmung ihrer Bürgerrolle in der Demokratie hinsichtlich des Ziels der Herausbildung einer größtmöglichen Selbst- und Mitbestimmung im Hinblick auf politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen unserer Zeit benötigen, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Kompetenzen können langfristig nicht ohne abgesichertes und ausreichendes Wissen aufgebaut werden. Die Sachkompetenz zielt auf die Verfügbarkeit grundlegender politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kenntnisse ab, die zum Verständnis der komplexen Wirklichkeit nötig sind. Dazu zählt ein vertieftes Deutungs- und Ordnungswissen, das in lebensweltlichen Interaktionen und durch die dort wahrnehmbaren politisch-gesellschaftlichen Phänomene herausgebildet und mit dem Wissen um Ordnungen und deren systematischen Strukturen und Mechanismen verknüpft wird.

Die Schulung methodischer Kompetenzen umfasst die Fähigkeiten, die benötigt werden, um sich mit politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Im Kern geht es um die Vermittlung fachspezifischer Arbeitstechniken, die sich letztendlich zu überfachlichen Lernstrategien entwickeln sollen, mit deren Hilfe sich die Lernenden die einzelnen Inhalts- und Problemfelder des Faches kontextgebunden erschließen.

Handlungskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, sich am allgemeinen öffentlichen Prozess der Meinungs- und Willensbildung zu beteiligen und die persönlichen Chancen der Einflussnahme auf die Gestaltung politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Strukturen zu nutzen. Hierbei geht es um den Zusammenhang von Denken, Handeln und Reflexion. Die Lernenden sollen prinzipiell in der Lage sein, sich auf verschiedenste und vielfältige Art und Weise an der Gestaltung von Demokratie zu beteiligen. Hierbei wird noch einmal zwischen drei Ebenen der Schulung von Handlungskompetenz unterschieden. Beim produktiven Gestalten kann es bspw. um die Gestaltung eines Informationsplakates, einer Fotodokumentation oder eines Podcasts gehen. Das simulative Handeln wird in Rollenspielen, Pro-Contra-Debatten oder Talkshows eingeübt, in denen ein „Als-ob-Handeln“ die Grundlage für reales Handeln bildet. Dabei geht es um konkrete Praxiserfahrungen während einer Erkundung, einem Praktikum oder einem Straßeninterview.

Die Königsdisziplin der Kompetenzentwicklung ist aber die Ermöglichung einer begründeten Urteilsbildung der Schülerinnen und Schüler. Politische, gesellschaftliche und ökonomische Urteilsfähigkeit ist eine zentrale Schlüsselkompetenz des Demokratie-Lernens. Sie beinhaltet die Fähigkeit, Sachverhalte unter Berücksichtigung zentraler Kriterien und Kategorien begründet und selbstständig beurteilen zu können. Es geht um das Finden eines persönlichen Standpunktes, von dem aus verschiedene, an der jeweiligen Kontroverse beteiligte Perspektiven einbezogen, Argumente abgewogen und letztlich persönliche Urteile gebildet werden, die auf einem Abwägen im Diskurs mit Anderen beruhen.

Das Fach Sozialwissenschaften mit all seinen Facetten und Ausprägungen bietet den Schülerinnen und Schülern am Marie-Curie-Gymnasium die Möglichkeit, sich langfristig und zukunftsorientiert mit den drängenden Fragen unserer Zeit zu beschäftigen und sich mit spezifischen Methoden und Arbeitstechniken des Faches vertraut zu machen, um in einer immer komplexer werdenden Welt ihren Platz als aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger zu finden.

D. Valente